Silvia Asmus
Erfahrungen eines Engels beim Gedächtnistraining im UHW-Pflegeheim Hoffmannstraße
Ein kleiner quadratischer weiß gestrichener Raum, Bilder und Kalender hängen als Schmuck an der Wand. Der Blick geht durch eine große Panorama-Scheibe nach draußen in einen grünen Gartenbereich. An Tischen, die ebenfalls quadratisch aufgebaut sind, treffen sich jeden zweiten Montag für eine Dreiviertelstunde Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims zum Gedächtnistraining mit dem Engel Frau Silvia Asmus.
Spielerisch werden die grauen Zellen in Bewegung gebracht. Zum Einstieg werden
thematische Wortketten nach Anfangsund Endbuchstaben gebildet. Sie kennen das
sicher als Kinderspiel:
Affe - Elefant - Termite - etc... Aber setzen Sie die
Reihe einmal fort, ohne ein Tier doppelt zu nennen. Sie werden plötzlich
feststellen, wie viele Tierbezeichnungen ein „e“ am Ende tragen. Oder machen wir
es noch ein wenig schwieriger: Blumen.
Der Autor dieses Textes war an diesem Tag beim Training dabei um Bilder zu
machen.
Natürlich wurde er aufgefordert, sich aktiv zu beteiligen und zwar
nicht nur dann, wenn denen am Tisch sitzenden nichts mehr einfiel. Nein, ich
hätte einfach so mein floristisches Wissen in den Raum sprechen können. Irgendwann wurde mir dann von
einer Teilnehmerin angeboten, mich doch gleich im Heim anzumelden. Nun ja,
soweit ist es noch nicht, doch ich gebe zu, ein großer Botaniker werde ich wohl
nicht mehr werden. Was Sie aus dieser Bemerkung aber erkennen können, ist mit
wie viel Witz und Humor dem angestrengten Nachdenken begegnet wird. Apropos
Humor, versuchen Sie es mal: mindestens fünf Pflanzen und Gewächse je
Buchstabe.
Sie werden sehen, wenn Sie nicht die lateinischen Begriffe der
Pflanzen kennen, kommen Sie schnell ins schwitzen. Ahorn ist ja noch einfach,
und dann?
Beeindruckend und durchaus lehrreich ist die Zeit jedoch auch für die Leiterin
des Trainings - Frau Silvia Asmus -, denn viele Begriffe und Wörter, die
vielleicht auch aufgrund unseres schnelllebigen und mit Anglizismen verseuchten
Sprachgebrauchs entfernt wurden, finden sich in den geistigen Schmuckkästchen
der älteren Menschen wieder. Wenn es zum Beispiel um Gerichte geht. Ja auch
danach kann man mit schlichten Buchstaben suchen. Dann taucht man ein in eine
Welt der Erinnerung. In ferne Zeiten und Gebräuche, in Landschaften und
Gegenden, die wir heute nur aus Dokumentarfilmen und vergilbten Fotos auf dem
Flohmarkt kennen.
Hier in dieser Runde erwachen diese gedanklichen Schätze zu
neuem Leben und führen bei der Einen oder dem Anderen zu der nachvollziehbaren
Frage: „Wie lange ist es noch bis zum Abendessen?“
Foto und Text sind von unserem Engel Michael Tzschoppe

