Helga Kohlmeier und Martin Serke
Seit ein paar Monaten arbeiten meine Frau und ich, beide um die sechzig, im
Restaurant der City-Station nahe dem Ku´damm in Halensee. Hier hat die
Stadtmission neben einem Trödel- und Antiquitätenladen einen Laden mit
Kleiderkammer, Waschmaschinen, Duschen, einer Bibliothek und „unserem“
Restaurant.
Unsere Arbeit beginnt um 17.30 mit Vorbereitungen, wie dem Abschmecken der
Speisen, dem Tee- und Kaffeekochen, dem Einwickeln des Bestecks und einer kurzen
Andacht mit der Sozialarbeiterin und einer anderen Ehrenamtlichen.
Es ist
18.00h und die hungrigen Gäste kommen: Obdachlose, Sozialhilfeempfänger, arme
Rentner und eben Menschen, denen das Geld fehlt. Hier werden sie satt: für 2,00
€ ein leckeres Essen, freitags gibt es besten Fisch, eine gehaltvolle Suppe für
0,50 €, Kuchen, Salat und Nachtisch alles preiswert, Tee umsonst.
Keine Almosen, nein, das Bestellen und das Bedientwerden, alles stärkt das Gefühl des eigenen Wertes; hier sind Menschen in Not und Menschen, die helfen können und gemeinsam verlebt man einen Abend. Das Essen geht über den Tresen oder wird am Tisch serviert, Tee ist heiß begehrt und manchmal gibt’s Knabbereien oder Obst dazu. 50-70 Portionen warmes Essen werden verkauft an viele Leute unterschiedlichster Couleur.
Es ist Einiges zu tun: Alles portionieren, Getränke einschenken, das
benutzte Geschirr zur dauernd laufenden Spülmaschine und sauber zurück
transportieren, Töpfe scheuern und ganz wichtig, sich mit den Gästen
unterhalten.
Es ist 21.30h, die Küche schließt, um 22.00h gehen die Gäste, wir räumen auf und unsere Arbeit endet gegen halb elf, Licht aus, abschließen und durchatmen.
Hinter uns liegen 5 Stunden Arbeit, mal leicht, mal anstrengend, aber immer
mit dem Gefühl, die eigene Zeit gut eingesetzt zu haben, und wie viel Freude und
Dankbarkeit kommt uns jedes Mal entgegen…
Wir bleiben dabei, die Mühe lohnt
sich.

