Christina Brambor
Die Erfahrungen eines Engels beim Vorlesen im Kinderkrankenhaus
Die Kinderstation 47 befindet sich im zweiten Stock des Klinikum Vivantes im
Friedrichshain und es herrscht rege Betriebsamkeit.
Christina Brambor wartet
geduldig im Flur, bis eine der Schwestern Zeit für sie hat. Sie kennt das schon,
schlieýlich ist sie zum zweiten Mal als Engel hier. Im Folgenden wird die
verantwortliche Schwester ihren Ausweis überprüfen, damit auch die Richtige für
knapp eine Stunde mit den Kindern allein gelassen wird. Als guter Engel betreut
sie die Kinder, die zur Zeit keinen Besuch haben und die nicht alleine spielen
sollen. Beim letzten Mal hatte sie drei Jungs zugewiesen bekommen. Denen möchte
sie "die Zeit im Krankenhaus einfach verschönern", zumindest für die eine
Stunde, in der sie da ist.
Ihre langjährige Tätigkeit als Schulsekretärin kommt ihr dabei sicherlich
zugute, denn mit der ehrenamtlichen Arbeit hatte sie vor ihrer Karriere als
Gute-Tat-Engel keine Erfahrung.
Die Kinder auf der Station 47 sind zum Teil
frisch operiert und so musste die Lesestunde beim letzten Mal nach einiger Zeit
vom Aufenthaltsraum an den Bettrand der kleinen Zuhörer verlegt werden, denn zu
lange konnten sie nicht auf den harten Holzstühlen sitzen bleiben. In Zukunft
wird sie wohl auch selbst Lesestoff mitbringen, denn: "Aktuelle Bücher haben wir
meist nicht hier", wie eine der vorbeikommenden Schwestern zugeben muss. Dass
jedoch selbst Klassiker wie Grimms Märchen in der Auswahl fehlen, wundert
Christina Brambor doch sehr.
Seit sie im letzten Jahr aus der Zeitung von der Aktion "Heute ein Engel"
erfuhr, hat sie den Besuch beim Informationsabend immer wieder vor sich
hergeschoben. Da jetzt ihr Sohn aus dem Haus ist und sie wieder mehr Zeit für
sich hat, möchte sie auch wieder mehr unter die Leute kommen. Das Projekt im
Klinikum Vivantes hat sie aus zweierlei Gründen gewählt: zum einen wegen des
Kontaktes zu den Kindern und zum anderen wegen der Nähe zu ihrer Wohnung - sie
hat nur einen 20minütigen Fuýweg zu ihren Engelseinsätzen.
Zukünftig möchte
sie regelmäýig einmal die Woche auf der Station 47 vorbeischauen. Dort kann sie
ihre Zeit "sinnvoller nutzen als Zuhause". Auýerdem hatte sie als Kind einmal
die Gelbsucht und wurde von ihren Eltern für eine Woche durch eine Glasscheibe
getrennt. "Eine harte Erfahrung", wie sie selbst sagt. Dieses Gefühl des
Alleinseins möchte sie wohl heute den Kindern mit ihren Besuchen ersparen.

