rbb-online Redakteurin Claudia Brauner erlebt Momente der Rührung bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit über die Stiftung Gute-Tat.de in Berlin
Heimleiterin Birthe Ehlers bereitet kunstvoll eine Wurstplatte zu. Ich schnitze kleine Deko-Herzchen aus Radieschen und hoffe, damit den Gästen des wöchentlichen „Verwöhnfrühstücks“ im Haus der Kinderhilfe in Berlin-Mitte ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Sonst haben sie nämlich nicht viel zulachen.
Es sind die Eltern schwer kranker Kinder, die hier- ganz in der Nähe des Virchow-Klinikums der Charité - ein zweites Zuhause auf Zeit finden. Nach dem Motto „Nähe hilft heilen“ können die Eltern so auch dann bei ihren Kindern sein, wenn diese in ihrem Heimatort nicht behandelt werden können. Auch Geschwisterchen dürfen mit. So sammelt sich, als das Frühstück fertig ist, eine bunte Runde an den Tischen. Gemeinschaft wird hier im Haus groß geschrieben – man tauscht sich über das gemeinsame Schicksal aus, teilt seine Sorgen und Ängste. Mittendrin die Ehrenamtlichen. Sie helfen bei Frühstück und Abendessen, putzen die Appartements, begrüßen und verabschieden die Heimgäste und haben vor allem immer ein offenes Ohr für die Familien. Ich bin heute eine von ihnen. Vermittelt wurde mir der „Frühstücks-Hilfseinsatz“ durch die Stiftung Gute-Tat.de.
„Heute ein Engel“ ist das größte Projekt dieser Stiftung, die im Jahr 2000 von Jürgen Grenz ins Leben gerufen wurde: „Ich wollte etwas Gutes tun, etwas zurückgeben, weil es bei mir gut lief.“ Grenz musste jedoch feststellen, dass dies gar nicht so einfach war. Zwar gibt es viele soziale Organisationen, aber der Zugang zu diesen wird dem Einzelnen oftmals nicht leicht gemacht. Zudem „haben viele Leute Schwellenängste“, so Grenz. „Ein dauerhaftes Kommen zuzusagen, stellt eine große Hürde dar.“ So entstand die Idee einer Internetplattform für kleinere soziale Kurzzeit-Projekte.
Beim wöchentlichen Infoabend von Gute-Tat.de lerne ich weitere
„Engelsanwärter“ kennen, die in die ständig wachsende Datenbank der
Ehrenamtlichen aufgenommen werden möchten. Schon 1700 Engel, die sich sporadisch
bis regelmäßig engagieren, sind dort gespeichert. Der durchschnittliche Engel
hat zwar kein blondgelocktes Haar, aber ist weiblich und 37 Jahre alt. Die
Motive der Engel sind ganz unterschiedlich und reichen von „Ich will mal von zu
Hause raus.“ Über „Ich habe gerade Zeit übrig.“ Und „Ich will mich persönlich
weiterbilden.“ Bis „Es ist ein wunderbares Gefühl, gebraucht zu
werden.“
Sechs Anwärter sitzen neben mir am Tisch und füllen Fragebögen aus.
Gute-Tat.de kann uns so genau die Projekte vermitteln, die zu unseren
persönlichen Vorlieben passen. Vor allem aber sind wir nun „angemeldete Engel“
und können uns zukünftig im Internet für die Engel-Projekte eintragen, die uns
interessieren. Die Auswahl ist groß: Nach anfänglicher Skepsis auf Seiten der
sozialen Organisationen werden mittlerweile regelmäßig über 200 Projekte aus den
unterschiedlichsten Bereichen angeboten. „Das Schöne dabei ist“, sagt Grenz,
„dass man sich genau raussuchen kann, was man gerne macht.“ Das Ziel von
Gute-Tat.de ist, dass der ehrenamtliche Einsatz den Engeln Freude bringt.
Ingrid Meyer-Rath ist ganz offensichtlich mit Freude bei der Sache. Seit
nunmehr fast drei Jahren engagiert sich der „Dauerengel“ in den verschiedensten
Projekten über Gute-Tat.de. In einem Seniorenwohnheim in Berlin-Buch spielt sie
zum Beispiel „rollende Bibliothek“: Da einige der Heimbewohner nicht mehr
alleine den Weg in eine der hauseigenen Bibliotheken auf sich nehmen können,
bringt sie ihnen die Bücher aufs Zimmer. Dem Abenteuer-Fan bringt sie eine
Auswahl an Abenteuerromanen, die Krimiliebhaberin bekommt den Edgar Wallace
Schmöker. Alle Leseratten im Heim sind begeistert von dem Service und hoffen,
dass Engel Ingrid ihnen noch lange erhalten bleibt. Diese direkte positive
Rückmeldung ist genau das, was die Ehrenamtliche bei der Stange hält. Und sie
ist überzeugt vom Gute-Tat-Konzept, welches ihr ermöglicht, immer wieder andere
Hilfsprojekte in Angriff zu nehmen.
Heimleiterin Manuela Lustig ist
begeistert vom Engagement der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die den
Heim-Alltag bereichern: „In einer Zeit, wo jeder nur nimmt und nicht gibt, ist
es etwas ganz Besonderes, solche Menschen zu haben.“
Ich fühle ebenso, als ich am nächsten Abend mit drei weiteren Ehrenamtlichen im Haus der Kinderhilfe bei der Zubereitung des Abendessens helfe. Das dankbare Lächeln der Eltern und Kinder am Essenstisch, trotz deren schwieriger Lage, spricht Bände. Vielleicht liegt es am leckeren Kaiserschmarrn, vielleicht aber auch am guten Gefühl, einen Engel in der Nähe zu haben.

